Entscheidungen für Europa nur mit Mehrheiten der demokratischen Mitte

Offener Brief
 OMAS GEGEN RECHTS DEUTSCHLAND e.V.

an die Vorsitzenden der Fraktionen der Europäischen Volkspartei, der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament, Renew Europe und der Grünen/Freie Europäische Allianz

Sehr geehrter Herr Weber,
sehr geehrte Frau García Pérez,
sehr geehrte Frau Hayer,
sehr geehrte Frau Reintke,
sehr geehrter Herr Eickhout,

wir, die OMAS GEGEN RECHTS DEUTSCHLAND e.V. als überparteilich agierender Verein, wenden uns heute mit großer Sorge an Sie.

Europa steht vor zahlreichen historischen Herausforderungen: Bedrohung seiner Sicherheit und seiner Wirtschaft durch die zunehmende Infragestellung regelbasierter Ordnungen bis hin zu direkten Angriffen, die Klimakrise mit ihren sichtbaren Auswirkungen, das Wachsen autoritärer Strömungen, die die demokratische Kultur und die Rechtsstaatlichkeit bekämpfen und die Gesellschaften spalten.

Sie und jeder und jede Abgeordnete der Fraktionen der demokratischen Mitte, die im Europaparlament über eine deutliche Mehrheit verfügen, tragen aus unserer Sicht angesichts dieser Herausforderungen eine besondere Verantwortung.

Die Abstimmungen im Europäischen Parlament zum europäischen Lieferkettengesetz sowie zum EU-Mercosur-Abkommen alarmieren uns.

Bei beiden Abstimmungen wurde in Kauf genommen – teils offen, teils stillschweigend – dass Mehrheiten nur mithilfe der Zustimmung rechtspopulistischer und rechtsextremer Fraktionen zustande kamen, nachdem zuvor keine ausreichenden Kompromisse innerhalb der demokratischen Mitte gefunden worden waren. Diese Entwicklung hat im Parlament selbst, in einigen Parteien, in der Zivilgesellschaft und bei vielen Bürgerinnen und Bürgern zu Recht große Irritation und Empörung ausgelöst.

Millionen Bürger haben schon im Januar 2025 gegen die gemeinsame Abstimmung von CDU/CSU und AFD im Deutschen Bundestag demonstriert.  Die AFD und andere rechtsextreme oder rechtspopulistische Parteien dürfen nicht als Mehrheitsbeschafferin bei Entscheidungen dienen, weder im Bundestag noch in den Landesparlamenten noch in Europa. Solche Verfahrensweisen tragen zu einer weiteren gefährlichen Normalisierung dieser demokratiezerstörenden Parteien bei.

Wir möchten sehr klar sagen:

Es ist die Aufgabe der demokratischen Mitte, mit ihrer Mehrheit im europäischen Parlament, tragfähige Kompromisse zu finden.

Die demokratische Mitte ist stark genug, wenn sie es will, Entscheidungen für die Bürgerinnen und Bürger in Europa zu treffen, die Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und den gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraum stärken. Es ist an ihr, zu zeigen, dass sie aus sich heraus handlungsfähig ist und Zukunft gestalten kann.

Extremistische und populistische Kräfte im Europäischen Parlament wollen die Europäische Union schwächen, spalten oder zerstören.
Sie stellen die gemeinsamen Werte, die Rechtsstaatlichkeit und die Solidarität in Frage.
Ihr Abstimmungsverhalten dient nicht dem Gestalten Europas, sondern seiner systematischen Delegitimierung.

Deshalb darf es nicht sein, dass politische Mehrheiten – bewusst oder stillschweigend – mit diesen Kräften gesucht oder akzeptiert werden. Jede solche Mehrheit untergräbt das Vertrauen in die Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit der demokratischen Mitte.

Wir fordern Sie auf:
Übernehmen Sie Verantwortung.
Suchen Sie mit den Abgeordneten Ihrer Fraktionen Mehrheiten innerhalb der demokratischen Mitte.
Ziehen Sie eine klare Grenze zu Rechtspopulisten und Rechtsextremen  – gerade auch im parlamentarischen Handeln.

Europa braucht ein Parlament, das Haltung zeigt!

Mit entschlossenen Grüßen

Anna Ohnweiler, Jutta Shaikh, Irene Fromberger, Dr. Angela Frank
Vorstand Omas gegen Rechts Deutschland e.V.

English Version

Decisions for Europe only with majorities from the democratic centre

Open letter

OMAS GEGEN RECHTS DEUTSCHLAND e.V.

to the chairs of the European People’s Party, the Progressive Alliance of Socialists and Democrats in the European Parliament, Renew Europe and the Greens/European Free Alliance

Dear Mr Weber,

Dear Ms García Pérez,

Dear Ms Hayer,

Dear Ms Reintke,

Dear Mr Eickhout,

We, OMAS GEGEN RECHTS DEUTSCHLAND e.V., a non-partisan association, are writing to you today with great concern.

Europe is facing numerous historic challenges: threats to its security and economy from the increasing questioning of rule-based orders to direct attacks, the climate crisis with its visible effects, the growth of authoritarian movements that fight democratic culture and the rule of law and divide societies.

In our view, you and every member of the democratic centre-wing political groups, which have a clear majority in the European Parliament, bear a special responsibility in the face of these challenges.

The votes in the European Parliament on the European Supply Chain Act and the EU-Mercosur Agreement alarm us.

In both votes, it was accepted – partly openly, partly tacitly – that majorities could only be achieved with the support of right-wing populist and extreme right-wing groups, after sufficient compromises had not been found within the democratic centre. This development has rightly caused great irritation and outrage in Parliament itself, in some parties, in civil society and among many citizens.

Millions of citizens already demonstrated in January 2025 against the joint vote of the CDU/CSU and AfD in the German Bundestag. The AfD and other far-right or right-wing populist parties must not be allowed to serve as majority providers in decision-making, neither in the Bundestag nor in the state parliaments nor in Europe. Such practices contribute to a further dangerous normalisation of these democracy-destroying parties.

We would like to state very clearly:

ot h the task ot he democratic centre, with ist majority in the European Parliament, to find workable compromises.

The democratic centre is strong enough, ot h so wishes, to make decisions ot he citizens of Europe that strengthen democracy, the rule of law, security and the common European economic area. ot h up ot he democratic centre to show that it is capable of acting on ist own and shaping the future.

Extremist and populist forces in the European Parliament want to weaken, divide or destroy the European Union.

They call into question our common values, the rule of law and solidarity.

Their voting behaviour does not serve to shape Europe, but rather to systematically delegitimise it.

Therefore, it is unacceptable for political majorities to seek or accept these forces, whether consciously or tacitly. Any such majority undermines confidence in the democratic centre‘s ability to act and shape policy.

We call on you to:

Take responsibility.

Seek majorities within the democratic centre with the members of your parliamentary groups.

Draw a clear line between yourselves and right-wing populists and right-wing extremists – especially in parliamentary action.

Europe needs a parliament that takes a stand!

Best regards

Anna Ohnweiler, Jutta Shaikh, Irene Fromberger, Dr. Angela Frank

Executive Board of Omas gegen Rechts Deutschland e.V. (Grandmothers Against the Right Germany)